Wie ein Kind

 

„Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Dies sagte Jesus zu seinen Jüngern, als sie die Kinder von ihm fernhalten wollten. Welchen Vorzug haben denn die Kinder gegenüber den Erwachsenen? Kennen sie das Böse noch nicht, sind ihre Seelen ganz unschuldig? Wenn wir die Schlagzeilen in unseren Medien lesen oder die Tagesschau im Fernsehen verfolgen, so bietet sich uns ein ganz anderes Bild dar. Kinder üben Gewalt an ihren Altersgenossen, sind oft grausam, lügen, verleumden und stehlen. Dann gibt es noch die Exzesse, wo Jugendliche in der Schule Amok laufen und Lehrer wie Schüler zu ihren Opfern werden. Sexuelle Übergriffe kommen schon im Kindesalter vor. Der Respekt vor dem Alter ist heute Vergangenheit. Durch Gebrechen oder Alter behinderte Menschen sind willkommene Objekte von Aggression und Diebstahl. Natürlich spiegeln die Kinder ihre Umwelt wieder. Dieses Verhalten wird ihnen von der Erwachsenenwelt täglich vorgelebt oder durch brutale Videos vermittelt.

Warum in aller Welt, sollten wir wie die Kinder werden um in das Reich Gottes zu kommen? Liegt es daran, dass die Kinder noch nicht urteilsfähig sind und ihnen die Logik nicht in die Quere kommt? Darf man keinen scharfen Verstand besitzen, wenn man der Person Jesus Glauben schenken will? Ist der Glaube nur etwas für die Unbedarften? Für diejenigen, die eins und eins nicht zusammenzählen können?

Nein, hier geht es um etwas ganz anderes und Grundsätzliches. Der Verstand ist eine Gabe Gottes und wir sollen ihn auch gebrauchen. Paulus rät sogar: „Prüfet alles und das Gute behaltet!“ Wir müssen nichts unbesehen übernehmen. Im Gegenteil! Heute wird auf dem Religionsmarkt so viel angeboten, von östlichen Heilslehren bis zur Esoterik – der Geheimwissenschaft - die nur von Eingeweihten verstanden wird. Da ist wirklich Prüfen angesagt. Haltet es mit den Beröern, die in den Schriften nachforschten, ob die Lehren des Paulus mit dem geschriebenen Wort übereinstimmten. Sie konnten sich so selbst vom Wahrheitsgehalt seiner Predigten überzeugen.

Jesus meint bei der Haltung dem Evangelium gegenüber das kindliche Vertrauen. Ein kleines Kind vertraut seinem Vater, es fühlt sich bei ihm geborgen und beschützt. Es wird die Worte und Anweisungen seines Vaters nicht in Frage stellen. Auch für mich war mein Vater eine Mauer, hinter der mir nichts Schlimmes passieren konnte. Hunde, die mir Angst machten, flössten in Gegenwart meines Vaters mir keine Furcht mehr ein. Mein Vater wusste und konnte alles. Zu ihm sah ich auf, seiner Liebe und seinem Schutz vertraute ich bedingungslos auch in Kriegswirren und Lebensgefahr. Mein Vater war der unverrückbare Fels in der Brandung. Solch ein grenzenloses Vertrauen, meint Jesus, müssen wir haben um ins Reich Gottes zu kommen. Gott als unser Vater ist allmächtiger, stärker, mutiger, liebevoller und gütiger als jeder menschliche Vater es sein kann. Seine Liebe hat er dadurch bewiesen, dass ihm kein Preis zu hoch war, um uns aus unseren Verfehlungen und Sünden zu retten. Er opferte das Liebste, was er besass, seinen Sohn, Jesus Christus um unsere Feindschaft ihm gegenüber zu besiegen und unsere Verlorenheit in eine Kindschaft umzuwandeln. Dieses Opfer gilt es im Glauben und Vertrauen, als für dich persönlich dargebracht, in Dankbarkeit anzunehmen und von da an, als Sohn oder Tochter, an der Hand des himmlischen Vaters durch das irdische Leben zu gehen und schliesslich als Erbe in sein Reich aufgenommen zu werden.

   

Marina Fankhauser