Was ist Liebe?

 

Ist Liebe dieAnziehungskraft zwischen zwei Personen, die Schmetterlinge im Bauch flattern lässt? Ist sie die Triebfeder ein ganzes Leben miteinander zu verbringen in guten und in schlechten Tagen? Und wenn das Gefühl platzt, die Liebe stirbt, war es nur ein Hormonspektakel? Ist die Mutterliebe beständiger? Man liebt sein Kind ein Leben lang. Aber gibt es nicht Mütter, die ihr Kind misshandeln, es verhungern und verwahrlosen lassen? Ist Männerfreundschaft das Vorzeigemodell? Man kann aufeinander zählen und diese Art von freundschaftlicher Liebe und Treue wird in manchen Gedichten geehrt und besungen. Hält diese Liebe stand in allen Widrigkeiten und Meinungsverschiedenheiten? Gibt es in der heutigen kurzlebigen, unverbindlichen, egoistischen Zeit so etwas? Es gibt tatsächlich ein Vorzeigemodell, das den wahren Charakter der Liebe offenbart. Paulus definiert im Brief an die Korinther was Liebe wirklich ist. Sie ist kein flüchtiges Gefühl, nicht an gegenseitige Sympathie gebunden, sondern etwas sehr Dauerhaftes. Er beschreibt sie so:

Die Liebe hat einen langen Atem und ist in Freundschaft verbunden, man kann also auf sie zählen. Sie ergeht sich nicht in Eifersucht, was nur ein Zeichen für Eigenliebe ist. Sie ist nicht mutwillig, das heisst sie provoziert nicht. Sie bläht sich nicht auf wie ein Kugelfisch um grösser und wichtiger zu erscheinen als der Nächste. Sie tut nichts, was den anderen verletzen könnte. Sie sucht nicht ihren eigenen Vorteil und wird nicht verbittert, wenn sie Enttäuschung erfährt, denn sie rechnet dem anderen das Böse nicht zu. Sie ist bereit zu vergeben und freut sich nicht, wenn dem anderen unrecht geschieht. Sie ist nicht schadenfreudig, wenn der andere seine Strafe bekommt und lacht sich nicht ins Fäustchen. Sie freut sich aber an der Wahrheit, auch an der Rehabilitation des anderen. Jetzt kommt etwas sehr Schwerwiegendes, etwas, was uns Menschen mehr als nur fremd ist – sie erträgt alles. Undank, Lieblosigkeit, Schmerzen, Verlust von Hab und Gut, das Alleingelassen werden, Schmach und Spott, das zerbricht sie nicht. Sie glaubt alles, sie ist nicht von Misstrauen geprägt und hinterfragt nicht alles. Sie schenkt dem anderen Vertrauen. Sie hofft alles, ist in die Zukunft gerichtet. Sie duldet alles, was noch eine Stufe schwerer ist, als alles zu ertragen, denn es ist mit Leiden verbunden. Und als absolute Krönung – sie hört niemals auf. Etwas Felsenfestes in unserer vom Zerfall aller Werte geprägten Gesellschaft.

Ein Idealbild der Liebe, der von Jesus geprägten Agape – der Nächstenliebe. Er war uns Vorbild in allem, doch wie sollten wir erdgebundenen, selbstverliebten Menschen dieses hochgesteckte Ziel erreichen? Aus eigener Kraft bestimmt nicht. Jeder, der für das neue Jahr gute Vorsätze gefasst hatte, wird ihr Scheitern erfahren. Das Sprichwort Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert ist nicht von ungefähr entstanden. Der Wille ist zwar da, aber unser Leib spurt nicht mit, in seinen Begierden und Wünschen. Also, wer sollte uns hier die Fähigkeit verleihen, so hohe Anforderungen zu erfüllen? Derjenige, der unser Vorbild ist, kann uns auch die Kraft geben, diesen anspruchsvollen Weg zu gehen. Es wird von unserer teilweisen oder völligen Hingabe an Jesus Christus abhängen, wie weit wir diesem Ideal näherkommen.

Marina Fankhauser