
Wer gäbe sich heute schon mit Brot allein zufrieden? Für eine ausgeglichene Ernährung braucht es Vitamine und Mineralien, Spurenelemente und Eiweiss, welche wir in Gemüse, Obst, Milchprodukten und Fleisch finden. Es gibt aber auch Länder in denen das tägliche Brot aus einer Schale Reis ohne Beilagen besteht und Gebiete in denen Menschen und Tiere Hunger leiden. Nahrungsentzug ist lebensbedrohend und nach einer gewissen Zeit auch absolut tödlich. Jemand, der in Hungerstreik tritt, riskiert sein Leben. Doch das tun die wenigsten. Da die Energiezufuhr ein elementares Bedürfnis ist, wird jedermann bemüht sein, sich dieses zu erfüllen. Vielfach auch auf Kosten der anderen. Wo Mangel herrscht, wird um die Nahrungsverteilung gekämpft und zwar mit allen Mitteln. Der Selbsterhaltungstrieb macht vor nichts Halt und die Nächstenliebe, die dem Menschen ja nicht angeboren ist, bleibt völlig auf der Strecke.
Im alten Rom genügte das Brot allein den Menschen nicht. Sie wollten Unterhaltung dazu. Diese Forderung Brot und Spiele ging in die Geschichte ein. Mit Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen im Zirkus Maximus fing es an und artete im Martyrium der Christen aus, als sie zur Volksbelustigung zu grausamen Todesarten verurteilt wurden. Die johlende Menge amüsierte sich über die Leiden und Schmerzen der Gemarterten. Das waren Heiden, doch ergötzten sich auch Christen später bei der Inquisition an der Verbrennung der sogenannten Ketzer und Hexen. Diese Menschen litten an einer anderen Entzugserscheinung als der Nahrung, dass sie so reagieren konnten.
Als Jesus in der Wüste nach 40-tägigem Fasten vom Teufel versucht wurde, konterte Er das Ansinnen Satans aus den Steinen Brot zu machen mit den Worten:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“
Wenn also jemand am Wort Gottes Mangel leidet, geht er innerlich zugrunde. Seine Beziehung zu Gott wird unterbrochen und versandet, sein Gewissen verliert den Massstab, die Liebe zu Gott und den Nächsten erkaltet. Die Seele und das geistige Leben sterben. Der Mensch wird grausam und gefühllos und vor allem manipulierbar. Im Mittelalter hatte kaum jemand Zugang zu der Heiligen Schrift, die wenigsten konnten lesen und Bücher waren zu kostbar, dass sie in Besitz von gewöhnlichen Sterblichen kamen. Die Inquisition konnte also ihre grausamen und ungerechten Taten als Gottes Willen verkaufen. Der gewöhnliche Bürger, konnte das nicht überprüfen.
Doch heute sieht es anders aus. Jedermann hat eine Bibel oder kann eine zu Hause haben und des Lesens sind bis auf ein paar Analphabeten alle kundig. Da sollte an geistigem Leben in einem christlichen Land kein Mangel herrschen! Leider sieht die Realität nicht so rosig aus. Viele lassen ihren Geist verkümmern und sehen nur zu, dass es ihrem Bauch gut geht. Dieser Mangel bedroht ja die materielle Existenz nicht. Niemand denkt daran, dass der Leib sowieso sterben muss und dass der wertvollste Teil des Menschen, der Geist ebenfalls gespeist werden muss, damit die Beziehung zu Gott nicht abreisst. Ewiges Leben beginnt hier auf Erden in der intensiven Gemeinschaft Gottes und nicht erst im Jenseits. Das geistige Hungergefühl nimmt bei Abstinenz stetig ab bis überhaupt kein Bedarf mehr besteht. Wollen wir diesen geistigen Tod oder wäre es nicht besser sich so um den inneren Menschen zu kümmern, wie wir es mit dem äusseren tun?
Marina Fankhauser