
Was bedeutet Vertrauen eigentlich? Wir legen unser Geld am liebsten bei einer Bank an, die regelmässig grosse Gewinne deklariert und ein gutes finanzielles Polster aufweist, also vertrauenswürdig ist, besonders in der Zeit der grossen Finanzkrise, wo die Banken vom Staat gestützt werden mussten. Um unser Vertrauen zu gewinnen, muss man uns eine Sicherheit bieten. Wir gehen zu einem Arzt, der medizinische Erfolge hat und von dem wir nicht enttäuscht worden sind. Sollte sich das ändern, werden wir nicht zögern, ihm unser Vertrauen zu entziehen und einen anderen Mediziner aufzusuchen. Inwieweit vertraut ein Ehepaar einander? Blind und gutgläubig oder findet es Kontrolle besser und vorsichtiger? Kann eine Enttäuschung Vertrauensverlust zur Folge haben?
Am Beispiel der Swissair und diversen Grossbanken im In- und Ausland haben wir gesehen, welche finanziellen Verluste allzu bedingungsloses Vertrauen einem bescheren kann. Die renommierteste Bank der Schweiz, die UBS, hatte sich in den Strudel des amerikanischen Immobilienmarktes hineinziehen lassen und musste Milliardenverluste hinnehmen, die ihren Fortbestand ohne Staatsgarantie und –Hilfe in Frage stellte. Das Vertrauen der Anleger schwand und viele wechselten die Bank. Der Kunstfehler eines Chirurgen wird einen Patienten nicht mehr bei der Stange halten und ein Ehepartner wird durch einen Seitensprung oder andere Lügengeschichten einen Bruch der Beziehung herbeiführen. Müssen wir daraus schlussfolgern, dass Vertrauen ein altertümlicher Brauch ist, der in unserer modernen Welt mit ihren Möglichkeiten und Versuchungen fehl am Platz ist?
Was versteht die Bibel unter Vertrauen? Ein gutes Beispiel dafür ist die Gefangennahme des Petrus. Kurz vorher wurde Jakobus, einer der drei besonders hervorgehobenen Apostel inhaftiert und von Herodes Agrippa mit dem Schwert enthauptet. Die drei Jünger hatten zusammen die Verklärung Jesu erlebt, ein wichtiges Zeugnis für die Christenheit und nun wurde einer der Zeugen aus dem Leben gerufen. War das nicht ein riesiger Verlust? Hätte ihn Gott nicht besser behüten sollen, wenn Er ihm schon so etwas Grandioses anvertraut hatte? Doch der Glaube wurde schon immer auf Blut gesät. Jakobus war nach Stephanus der zweite Blutzeuge. Was für Gefühle mögen nun Petrus im Gefängnis bewegt haben, sah er doch den Tod vor Augen? Warum sollte es ihm besser gehen als seinem Mitapostel? Mit zwei Ketten gefesselt, lag er zwischen zwei Wächtern und konnte kein Auge schliessen vor Sorge um sein Schicksal, das allzu offensichtlich war. Uns wäre es wohl so gegangen, aber nicht Petrus. Er schlief fest und tief! So tief, dass der Engel des Herrn, der zu seiner Befreiung ausgesandt war, ihn wecken musste, indem er ihn in die Seite stiess und ihm befahl: „Steh schnell auf!“ Petrus führt uns vor, was Vertrauen bedeutet. Er hatte keine Zusage Gottes mit dem Leben davonzukommen und bekam auch kein Zettelchen zugesteckt, dass eine Befreiungsaktion im Gange war. Er hatte einfach sein Leben ohne Wenn und Aber in Gottes Hand gelegt und war bereit, den vorgezeichneten Weg zu gehen. Die Zeit als er Jesus drei Mal im Hof des Hohenpriesters verleugnet hatte war Vergangenheit und seit der Ausgiessung des Heiligen Geistes besass er Mut und Willensstärke und unerschütterliches Vertrauen in seinen Herrn.
Von Vertrauen zu reden, wenn alles abgesichert ist, man gesund ist, Arbeit hat und Geld auf dem Bankkonto, ist eigentlich einfach. Doch wenn alle diese Krücken einem weggezogen werden und man tatsächlich nur mehr aus Vertrauen auf Gott leben kann, dann wird es existenziell. Aber dieser Glaube trägt, auch wenn man die Konsequenzen spürt. Das gesellschaftliche Ansehen geht verloren, sogenannte Freunde verlassen das sinkende Schiff, Einschränkungen und sparsames Leben ist angesagt und vor allem Dankbarkeit, dass Gott in dieser Situation ein barmherziger und gütiger Partner ist, der einen nie fallen lässt. Erst da erlebt man die Liebe Gottes in allen Facetten und fühlt sich bei Ihm geborgen.
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat.
Marina Fankhauser