
„Auf mich ist Verlass. Ich werde auf Ihre Kinder aufpassen, wie auf meinen Augapfel.“ Das junge Mädchen, das die Aufgabe des Kinderhütens übernommen hatte, glaubte selbst an ihre Worte und war voll guten Willens. Auf dem Weg in den Park begegnete sie ihrer besten Freundin und war bald mit ihr in ein angeregtes Gespräch vertieft. Den beiden kleinen Buben, wurde es derweilen langweilig und als sie auf der anderen Strassenseite ein Kätzchen erblickten, rissen sie sich unvermutet von der Hand ihrer Betreuerin los und stürmten über die Strasse. Unglücklicherweise nahmen sie das herannahende Auto nicht wahr und wurden von ihm erfasst. Beide Kinder mussten ins Spital verbracht werden. Sie hatten noch Glück, dass sie nicht lebensbedrohliche Verletzungen erlitten hatten, sondern mit Prellungen und Knochenbrüchen davongekommen waren. Auf das Mädchen war also doch kein Verlass, auch wenn sie selbst davon überzeugt gewesen war.
Wir finden in der Bibel ebenfalls ein Beispiel, wo so ein vollmundiges Versprechen nicht eingehalten wurde. Als Jesus davon sprach, dass ihn bei der Festnahme durch die Schergen der Pharisäer und Schriftgelehrten alle Jünger verlassen würden, verstieg sich Petrus zu der Aussage: „“Und wenn ich mit dir sterben müsste, will ich dich nicht verleugnen.“ Dem stimmten auch alle anderen Jünger zu. Und wie sah dann die Realität aus? In Gethsemane, bei der Verhaftung Jesu, zerstreuten sich die tapferen Männer in alle Windrichtungen, allein Petrus folgte heimlich Jesus in den Hof des Hohenpriesters Kaiphas. Er setzte sich in den Kreis der Knechte, um mitzubekommen was nun mit Jesus geschehen sollte. Als aber eine Magd behauptete, er sei einer von Jesu Leuten, stritt er es vehement ab. Ein anderer Knecht wollte ihn ebenfalls im Kreis von Jesu Anhängern gesehen haben und schliesslich bezeugten alle, dass er sich durch seine galiläische Sprache verraten hatte. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, fing Petrus an sich zu verfluchen und zu schwören, dass er den besagten Menschen gar nicht kenne. Petrus hatte versagt und bewiesen, dass auf seine Worte kein Verlass war, eben so wenig wie auf die der anderen Jünger. Jesus hatte sie vorher gewarnt, dass sie wachsam bleiben sollten, damit sie nicht in Anfechtung gerieten. Er sagte: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Wie steht es mit unserer Verlässlichkeit? Sind wir stärker, bewährter und tapferer? In der Schweiz muss in der heutigen Zeit noch keiner um seines Glaubens willen Verfolgung erleiden oder mit dem Gefängnis oder Tod rechnen. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Die Medien hacken mit dem Wort Fundamentalismus auf alles ein, was sich auf biblische Grundsätze stützt. Es ist ein Krieg entbrannt zwischen Darwinismus und der Schöpfungslehre, wobei der erstere als Wissenschaft gegenüber einer Glaubensüberzeugung deklariert wird. Es wird gerne unterschlagen, dass es sich bei der Makroevolution keinesfalls um einen wissenschaftlichen, nachvollziehbaren und rekonstruierbaren Beweis sondern bloss um eine Theorie handelt. Wird auf unseren Glauben Verlass sein, wenn wir in Bedrängnis geraten? So überzeugt wie Petrus würde ich mich nicht äussern, aber ich glaube, dass mir Gott im gegebenen Moment beistehen, mir die nötige Stärke und Widerstandskraft verleihen wird, dass ich bestehen kann. Nicht auf mich ist Verlass, sondern auf den, der gesagt hat: „Niemand wird sie aus meiner Hand reissen!“ Dennoch ist Wachsamkeit angesagt, denn der Zeitgeist wird viele infiltrieren und versuchen, sie Gott abspenstig zu machen. Eine lose, unverbindliche Beziehung zu Jesus wird uns nicht schützen, nur ganze Hingabe und volles Vertrauen.
Marina Fankhauser