Umkehr

Ein Seerosenteich war bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Eine Weinbergschnecke verliess das sichere Ufer und begann auf den Seerosenblättern gleitend, den Teich zu überqueren. Die Blät-ter wuchsen dicht bei- und zumeist auch übereinander, so dass das wagemutige Weichtier schon – allerdings nach Schneckenzeitrechnung – bald in der Mitte des Tümpels angelangt war. Doch nun kroch sie über ein Blatt, das nach drei Seiten nur von Wasser umgeben war. Am Rand tauchte sie jetzt schon durch ihr Eigengewicht bis zur Hälfte ihres Häuschens in das sonst geliebte, nun aber lebensgefährliche Nass. Ich schaute dem Tier fasziniert zu. Würde es so klug sein und den Rückzug antreten? Die Umkehr war die einzige Möglichkeit ihr Leben zu retten. Nein, sie tat es nicht. Sie kreiste immer am Rand des Blattes entlang und statt der Blattrippe zu folgen und auf dem schon einmal gewählten Weg zurück ans Ufer zu kriechen, versuchte sie es mit Strecken. Ich hatte noch nie eine so lang ausgezogene Weinbergschnecke gesehen. Doch all dies Bemühen konnte ihr nicht helfen, denn das nächste Blatt war zu weit entfernt. Ich sah ihr eine halbe Stunde zu, ob sie aus ihrem Denkmuster ausbrechen würde. Helfen konnte ich nicht, sie war für mich unerreichbar. Es war zu befürchten, dass sie ertrinken würde.

Auch für uns gibt es nur einen Weg der Rettung: Das Verlassen des selbst gewählten Weges in den Sumpf und Umkehr zu Gott. Jesus Christus macht es möglich, denn Er hat die offene Rech-nung, die jeder Mensch mit Gott hat, beglichen. Aber ohne Umkehr zu Ihm, können wir uns noch so sehr abmühen, recken und strecken, es wird uns nicht weiterhelfen. Aus eigener Kraft müssen wir scheitern.

Viele haben schon mal ihren Sinn geändert, das Angebot der Errettung angenommen und sind dann wieder vom Weg abgewichen. Sind das nun hoffnungslose Fälle? Nein, wir brauchen im-mer wieder eine Wegkorrektur. Keiner marschiert als vollkommener Mensch schnurstracks ins Himmelreich. Wenn wir versagen, verzagen, fallen, so hilft uns Jesus wieder auf. Wenn Seine Liebe zu uns – als wir noch nichts von Ihm wissen wollten – so gross war, dass Er sein Leben für uns gab, so wird Er uns auch heute nicht fallen lassen. Er hat uns angenommen, so wie wir waren, als Feinde Gottes, aber Er will uns nicht in diesem Zustand lassen, sondern Er will uns verändern. Er will, dass auch in uns die Liebe Gottes Wohnung nimmt, für unseren Nächsten sicht- und erfahrbar. Veränderung geschieht immer wieder durch eine Umkehr, manchmal täg-lich. Wie oft machen wir uns schuldig und bedürfen der Vergebung. Eine Verdrängung der Schuld ist keine Lösung, sie wird uns nur am Kreuz abgenommen. Also bringen wir sie dahin und kehren wieder in die Nachfolge Jesu zurück.

Marina Fankhauser