
Wir Menschen lieben die grossen Gesten, das Aufsehen erregende und Beeindruckende, das Auffallende und Grossartige. Unsere Filme strotzen vor spektakulären Aktionen, verwegenen Verfolgungsjagden und heldenhaftem Raubrittertum. Das ist etwas was die Jugend und oft auch ältere Semester anspricht und ihr Blut in Wallung bringt. Das Stille, Unscheinbare, im Hintergrund Verbleibende wird nicht beachtet noch geschätzt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir gerne fremde Heldentaten auf uns projizieren und uns damit identifizieren, wie mit der Filmfigur „Superman“. Das liegt nicht nur an der Zeiterscheinung, denn schon in der Bibel werden wir mit diesem Charakterzug bekannt gemacht.
Als der aramäische Feldhauptmann Naaman nach Israel reiste um sich von seinem Aussatz heilen zu lassen, kam er mit reichen Gaben in Gold und Silber und 10 Festtagskleidern zum israelischen König um sich seine Gesundheit zu erkaufen. Der König sah sich dieser Bitte hilflos gegenüber und vermutete dahinter ein feindliches Ansinnen des aramäischen Königs und da Israel schon lange dem Götzendienst frönte, kam er auch nicht auf die Idee, seinen Gast zu Elisa, dem Propheten zu schicken. Doch Elisa hörte davon und liess dem König von Israel ausrichten, dass Israel ja noch einen Propheten Gottes habe, der helfen könne. So kam Naaman zu Elisa, der ihn nicht persönlich empfing sondern ihm nur den Auftrag gab, sieben Mal im Jordan unterzutauchen, damit er wieder rein würde. Statt sich über dieses Angebot zu freuen, wollte der Feldhauptmann wutentbrannt nach Hause zurückkehren. Warum dieser Sinneswandel nach der langen und anstrengenden Reise? Das Ansinnen Elisas war Naaman zu gering. In einen israelischen Fluss zu tauchen, wo es doch in Aram genug grosse Wasserläufe gab, schien im lächerlich. Hätte Elisa ihm eine schwer zu lösende Aufgabe gestellt, die Mut und Kraft erforderte oder hätte er eine Heilszeremonie mit allem Drum und Dran durchgeführt, so wäre dies nach seinem Geschmack gewesen. Naaman hatte es seinen Begleitern zu verdanken, dass er sich schlussendlich doch noch zu einem Bad im Jordan überreden liess. Dieser Akt des Glaubens und Gehorsams liess ihn gesunden. Es lag allein an Gott, dass er rein wurde und nicht an einer grossartigen Kraftanstrengung seinerseits. Er musste nur im Geringsten treu sein und sich an die Anweisungen halten.
Jesus fordert auch uns zur Treue im Geringsten auf, denn wer dies vermag, wird es auch im Grossen können. Doch wer in den gewöhnlichen Kleinigkeiten des Alltags versagt, wird sich auch in grossen Dingen nicht bewähren. Das sollten wir uns immer vor Augen halten, bevor wir etwas als unwesentlich abtun und meinen, da komme es nicht so darauf an, wie wir damit umgingen. Aus Treue und Gehorsam im Kleinen kann Grosses wachsen, wir können Gott damit ehren und es wird uns selbst zum Segen gereichen.
Marina Fankhauser