Tradition

 

 

Welches Schweizerkind kennt Wilhelm Tell nicht. Ganze Klassen besuchen jeweils mit ihren Lehrern die Tellspiele in Interlaken und das schon seit Generationen. Friedrich Schiller hat der Schweiz eine Identififkationsfigur geschaffen, die in Ehren gehalten wird. Walterli mit dem Apfel auf dem Kopf hat sogar Eingang in die Schweizer Filmbranche gefunden. Doch ist der Tell eine so verehrungswürdige Figur? Er hatte sich nicht vor dem Hut des Landvogts gedemütigt, ist stolz und selbstbewusst daran vorbei gegangen. Als er zur Strafe eine Frucht auf dem Haupte seines Kindes treffen musste, schwor er bei sich Rache und wurde zum Meuchelmörder. Versteckt hinter Bäumen schoss er seinen Pfeil auf den nichtsahnenden Gessler, der durch einen Hohlweg ritt. Heute würde man ihn eher als Terrorist denn als Freiheitskämpfer einstufen.

Es gibt eine Geschichte in der Bibel, die ähnlich anfängt. Drei jüdische Männer verweigerten Nebukadnezar den Gehorsam, indem sie sein goldenes Bild nicht anbeteten. Sie wurden vor dem König verklagt und in den Feuerofen geworfen, aus dem sie Gott unversehrt rettete. Nach der lebensbedrohenden Situation versuchten sie aber nicht, sich nachträglich zu rächen und Nebukadnezar umzubringen.

Es gibt einen Menschen, der für die Schweiz mehr getan hat als Wilhelm Tell und an dessen Händen kein Blut klebt – Jesus Christus. Er hat uns die grössere Freiheit geschenkt, als die Befreiung von der Unterjochung einer Fremdherrschaft durch ein anderes Volk. Er hat uns von der Macht der Sünde und des Todes losgekauft und das durch sein eigenes für uns vergossenes Blut. Es war Sein Blut und nicht fremdes das für unsere Erlösung geopfert wurde. Kennt jedes Schweizerkind Seinen Namen? Spielt hier die Tradition nicht mit, dass man noch den Kindeskindern diese Geschichte erzählt, eine Geschichte, die den Vorteil hat wahr zu sein und die nicht aus der Feder von Friedrich Schiller und seiner Vorstellungskraft stammt? Warum lebt ein Mythos ungebrochen weiter und die Wahrheit verschwindet? Eine ketzerische Frage: Wer kann mehr in deinem persönlichen Leben verändern, Wilhelm Tell oder Jesus Christus? Der Gedanke an Tell lässt deinen Nationalstolz anschwellen, schliesslich bist du ein freier Bürger eines freien Landes – dank Tell? Durch Jesus Christus hast du eine andere Freiheit und bist untrennbar mit Gott verbunden. Paulus sagt:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Niemand kann eine Gewaltherrschaft über uns ausüben und uns von der Liebe Gottes trennen. Welch herrliche Zusage! Lassen wir uns doch auf diese Liebe ein und erwidern sie. Erzählen wir doch auch unseren Kindern davon und schicken sie in die Sonntagsschule, wo sie mehr über den Sohn Gottes erfahren und Ihn lieben lernen.

Die Tellspiele sollen sie ruhig besuchen und Freude an der Dichtung und der kraftvollen Sprache finden, aber ihre Wurzeln sollen sie in Jesus Christus und nicht im Mythos Tell suchen. Im ersteren ist der Geist eines Dichters und im zweiten wahrhaftiges Leben in seiner ganzen Fülle und mit einem Zukunftsversprechen:

Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Marina Fankhauser