Stabilität

 

Bei einem Besuch im Masaola-Regenwald im Zoo Zürich hatte ich das Glück, an einem geführten Rundgang teilnehmen zu können, der jeweils nur an einem Samstagmorgen stattfindet. Die Führerin zeigte der Gruppe einige hohe Bäume, die Luftwurzeln gebildet und sie dann im Boden versenkt hatten um die Stämme mehr zu stabilisieren. In den tropischen Regenwäldern ist die Humusschicht sehr dünn und die Wurzeln können nicht in die Tiefe dringen. So ein Riesenbaum würde durch sein eigenes Gewicht umfallen, wenn er sich nicht mit den externen Wurzeln in die Erde krallen und so seinen Stand festigen könnte.

Masoala, Baumstamm 6.jpgDie Bäume reagieren also zweckdienlich und klug, wenn man Pflanzen überhaupt Weisheit unterstellen kann. Aber wie steht es mit uns Menschen? Glauben wir ohne eine Verankerung sicher stehen zu können und sind von unserer Standfestigkeit felsenfest überzeugt, auch bei jeder Unbill des Lebens? Als kleines Kind wollte ich nie an der Hand meiner Mutter gehen und erklärte schon mit sechs Jahren: „Lasst mich doch mein eigenes Leben leben!“ Da hatte ich noch keine Ahnung, was in meinen Jugendjahren alles auf mich zukommen würde. Kriegswirren, Nächte im Bunker unter Bombenhagel, Beschuss von Tieffliegern, Hunger und Tage voller Angst und Schrecken. Wie dankbar war ich jetzt, dass meine Eltern für mich da waren, mich beschützten und mir Geborgenheit verliehen. Sie waren meine externen Wurzeln, die mich vor Tod und Verletzungen abschirmten. Beim Erwachsenwerden musste ich aber erkennen, dass der Schutz meiner Mutter und meines Vaters nicht ausreichten. Wo war der feste Grund, in den ich meine Luftwurzeln versenken konnte, der immer erreichbar war und mir Halt bot? Ich fand diesen festen Boden in Jesus Christus, der mir versprach, mich immer festzuhalten, so dass niemand mich aus Seiner Hand reissen kann. Jesus war nicht ein Irgendjemand sondern Gottes Sohn, dem alle Macht zur Verfügung stand und für Sein Wort verbürgte Er sich selbst. Er nannte sich die Wahrheit. Wem konnte ich mehr vertrauen als Ihm, der Sein Leben für meine Rettung einsetzte und mir versicherte, dass Er alle Tage bei mir sein würde, was meinen Eltern nicht möglich war. Ja, Er versicherte mir sogar, dass Er mich von allen Seiten umgeben und Seine Hand über mich halten würde und wo ich auch hinginge, würde Er mich führen. Unter Seinem Schutz würde die Nacht leuchten wie der Tag und Finsternis wie das Licht. Ja, hier wollte ich meine Wurzeln ausbreiten und stabilisieren bis in alle Ewigkeit.

Marina Fankhauser