
Selbstverleugnung ist eine unabdingbare Eigenschaft der Nachfolge. Wenn ein Bergführer bei einer Tour vorangeht, hat es keinen Platz für individuelle Eskapaden. Er zeigt wo’s lang geht und die anderen treten in seine Fussstapfen. Nur so ist gewährleistet, dass niemand den Weg verfehlt und heil auf dem Gipfel ankommt. Das ist ein Weg, der nicht im Kreis herumführt sondern ein festes Ziel hat. Kein Herumtasten mit ungewissem Ausgang. Der Führer kennt die Tücken des Weges aber auch das Ziel. Ein Abweichen kann heissen, die Orientierung zu verlieren und am Zielpunkt nicht anzukommen.
Was bedeutet Nachfolge in Jesu Sinn? Er selbst sagt es ganz deutlich. Sie bedeutet die auferlegte Bürde nicht abzuschütteln sondern sie auf den eigenen Schultern zu tragen, denn Jesus trug ebenfalls die ihm auferlegte Last. Der Knecht ist nicht bedeutender als sein Meister und kann keine Privilegien beanspruchen, die sein Herr nicht hatte. Jesus spricht auch von Selbstverleugnung, da fällt das Anrecht auf eigene Wünsche, Ziele und Bedürfnisse nach Selbstprofilierung dahin. Wer möchte schon darauf verzichten und den Weg der Demütigung gehen? Wäre die Light-Version nicht einfacher? Man behält den eigenen Vorteil und die eigene Zielsetzung bei und zweigt ein paar Schritte der Nachfolge vom eigenen Weg grosszügig ab. So ist dem Kaiser und Gott gedient.
Doch wie ernst es mit der Sache mit dem Ziel ist und welchen Einsatz es braucht, zeigt uns Jesus anhand zweier Beispiele. Er vergleicht das Himmelreich mit einem Schatz, der im Acker vergraben ist und den ein Mensch findet. Er kann diesen Reichtum nicht heben, denn das Land gehört nicht ihm und somit auch der Fund nicht. Was kann er tun um an diesen Schatz zu kommen? Er geht hin, verkauft alles was er hat und erwirbt den Acker samt dem darin vergrabenen Schatz. Er handelt radikal und sofort, weil er den Wert erkannt hat.
Das zweite Gleichnis handelt von einem Kaufmann, der mit Perlen handelt. Als er eine besonders kostbare Perle angeboten erhält, tut er das gleiche wie der Landkäufer. Er verkauft sein ganzes Hab und Gut und erwirbt damit dieses eine wertvolle Stück. Er setzt also seine ganze gesicherte Existenz aufs Spiel, nur um in den Besitz einer Kostbarkeit zu kommen. Er kauft sie nicht, um damit Handel zu treiben. Er will sie behalten und verzichtet auf ein angenehmes, gesichertes Leben.
Was ist dir das Himmelreich wert? Eine angenehme Zusatzgabe? Wie viel bist du bereit dafür auszugeben oder auf etwas zu verzichten? Verzicht bedeutet nicht, etwas aufzugeben, dass einem schon lästig oder überflüssig geworden ist, wie alte, getragene Kleider, die wir mit erleichtertem Gewissen in die Altkleidersammlung bringen und denken dabei eine gute Tat begangen zu haben. Verzicht ist immer schmerzhaft. Es können auch liebgewordene Gewohnheiten sein, von denen wir wissen, dass sie uns vom eingeschlagenen Weg der Nachfolge abbringen. Eine junge Frau, deren Hobbys die Naturbeobachtung und das Fotografieren der Tiere und Insekten waren, hatte mir geschrieben, dass sie zur Erkenntnis gekommen sei, dass diese Leidenschaft ihre Zeit mit Jesus einschränken würde. So wollte sie nun diese Freizeitbeschäftigungen stark reduzieren. Es ginge nicht an, dass ihr Gebetsleben und das Bibellesen unter ihrem Hobby leiden mussten. Sie spüre den inneren Drang mehr Zeit mit ihrem Herrn zu verbringen und den Kontakt intensiver zu gestalten.
Welches Hindernis erschwert dir den Weg ins Himmelreich oder versucht dich gar davon abzubringen? Wo hast du den Kontakt zu deinem Vordermann Jesus verloren? Setze alles daran, wieder zu ihm aufzuschliessen!
Marina Fankhauser