Schwarzer Peter

Hand aufs Herz, hast du nicht auch schon versucht, die Schuld von dir abzuwälzen und den Schwarzen Peter jemand anderem zuzuschieben? Schliesslich will man ja nicht allein in die Pflicht genommen werden. Jemand anderer hat dich doch auf die schlechte Idee gebracht und trägt also Mitschuld an deinem Versagen. Und wenn man es recht bedenkt, warst du ja nur ein Befehlsempfänger und hast nicht in Eigenverantwortung gehandelt. Gerade in der Politik sind solche Schachzüge gang und gäbe. Einen Verwaltungsrat, der seiner Aufsichtspflicht nicht genügt hat, kann man bei einer Misere nicht behaften, sei es bei einem Bankencrash, einer Verschuldung der Pensionskasse oder anderen Machenschaften. Der Schwarze Peter wird einfach weitergereicht bis niemand mehr greifbar für das Verschulden ist. Aber auch unter uns einfachen Bürgern funktioniert diese Methode seit langem.

Bei übler Nachrede zum Beispiel. Man ist nicht selbst der Urheber eines Gerüchtes, aber man trägt es eifrig weiter, auch ohne den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Nein, man schmückt es sogar noch etwas aus, damit es interessanter wirkt. Ist das eine Zeiterscheinung? Wohl kaum, denn wir begegnen diesem Verhalten schon in einem der ersten Kapitel der Genesis. Als Gott Eva wegen dem verbotenen Genuss der Früchte vom Baum der Erkenntnis im Garten Eden zur Rede stellte, fiel ihr flugs die Schlange ein, die sie dazu verführt hatte. Auch Adam schlug sich nicht an die Brust und bekannte seine Verfehlung, sondern gab Gott selbst indirekt die Schuld an seinem Versagen. "Die Frau, die DU mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich ass." Also Adam konnte nun wirklich nichts dafür. Seine Frau war zuständig für den Sündenfall und da Gott ihm so eine charakterlich labile Gefährtin statt einer gefestigten Person zur Seite gestellt hatte, war im Endeffekt der Schöpfer selbst für das angerichtete Chaos verantwortlich. Er, Adam, stand rein gewaschen da. Doch Gott ging nicht auf die Rechtfertigungsversuche der Menschen ein. Beide bekamen sie ihre Strafe und auch die Schlange kam nicht ungeschoren davon.

Wir können den anderen Menschen Sand in die Augen streuen und uns verbal aus unseren Verfehlungen herausreden, aber Gott hinter das Licht führen, können wir niemals, denn Er sieht in unser Herz. Sieht all den Unrat, der sich dort angehäuft hat, die Lügen, Verdrehungen, Beschönigungen und Schuldzuweisungen. Hier hilft nur eins, zu seiner Schuld stehen und sie vor Gott bekennen, denn Er hat uns schon geliebt als wir noch seine Feinde waren und hat seinen Sohn für unsere Schuld sühnen lassen und uns so den Weg zu Ihm freigemacht. Der nächste Schritt wäre dann eine 180-grädige Wendung, weg von der liebgewordenen Sünde, statt sich damit zu arrangieren oder sie einem anderen in die Schuhe zu schieben.

Es ist zwar nicht leicht, mit dem Finger auf sich selbst zu zeigen, statt auf die Mitmenschen, aber das Austeilen des Schwarzen Peters bringt nicht Frieden in die Seele, sondern aktiviert den bohrenden Wurm des schlechten Gewissens, den man nur durch totales Abstumpfen gegenüber der Stimme Gottes zum Schweigen bringen kann. Gehe lieber den mutigen Weg des Bekennens, er lohnt sich und schenkt dir Freiheit von aller Gebundenheit.

Marina Fankhauser