
Auf einem Hügel über der Stadt wurden drei Kreuze aufgerichtet. An jedem von ihnen hängt ein Mensch in qualvollen Schmerzen. Dem Tod eilt es nicht, er hat seine Opfer auf sicher. Rechts und links hängt je ein Räuber am Holz und in der Mitte der Sohn Gottes, der immer den Willen Gottes getan hatte und an niemand schuldig geworden war. Dennoch wird er mit dieser Todesart unter die schlimmsten Übeltäter gerechnet. Alle Vorübergehenden rufen ihm Lästerworte zu und fordern ihn auf, doch vom Kreuz herabzusteigen, wenn er denn der Sohn Gottes sei. Der eine Räuber stimmt in diese Schmähungen ein, trotzdem er ja das gleiche Schicksal erleidet. Aber seine Bosheit zerfrisst sein Herz. Doch im anderen Verurteilten findet eine Wandlung statt. Die erhabene Hoheit Jesu bewegt ihn im Innersten und er sieht nun seine Taten im Licht Gottes. Seine Verdorbenheit wird ihm bewusst und gleichzeitig weiss er mit letzter Gewissheit, dass der Mann in der Mitte unschuldig leidet und dass er der verheissene Messias ist. Er kann nicht mehr länger schweigen, noch schmähen, sondern er wendet sich seinem Mittäter zu und ruft: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ Dann wendet er sich Jesus zu und bittet: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“
Welche Antwort bekommt er nun von Jesus? Etwa: „Was denkst du auch, im letzten Moment deines Lebens überkommt dich die Reue und nun meinst du, mit ein paar entschuldigenden Worten sei alles ins Lot gebracht? Zuerst müsstest du lange sühnen und versuchen, deine schlimmen Taten vergessen zu machen. Aber dazu hast du keine Zeit und keine Gelegenheit mehr. Dir bleibt nur noch der Ausweg über das Fegefeuer, das dich läutern wird. Aber das kann lange dauern bei deinem Sündenregister.“
Nein, nichts von dem sagt Jesus. Die Antwort ist welterschütternd! Sie lautet: „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ „Noch heute, nicht erst morgen oder in zwei Jahren, wenn du genug gebüsst hast. Du bist wohl ein schwerer Junge, aber keine Sünde ist so schrecklich, als dass sie mein vergossenes Blut nicht wegwaschen könnte. Ich habe deine Strafe auf mich genommen und für dich bezahlt und dich bei Gott ausgelöst. Du bist nun rein und gerecht vor ihm. Und vor allem, du wirst da sein, wo ich bin – im Paradies. Du wirst es nicht von ferne sehen und als Zaungast davor stehen, sondern du wirst in meiner Nähe – bei mir sein.
Ist das nicht eine herrliche Botschaft? Jesus möchte, dass du zu ihm kommst wie du bist, beladen mit Schuld und dich ihm zu Füssen wirfst. Er wird dich nicht wegstossen und auf deine besudelten Kleider hinweisen und dir vorher eine Selbstreinigung empfehlen. Ein reuiges Herz ist ihm lieber als alle Wohlanständigkeit der Welt, die doch an Gottes Massstäben gemessen, voller Flecken ist. Wir können uns nicht selbst zu einer weissen Weste verhelfen, das geht nur durch das Eingeständnis unserer Schuld und der Vergebung durch den Sohn Gottes. Aber seien wir klug und warten damit nicht bis zu unserem letzten Atemzug, wer weiss, ob uns da noch die Zeit für Reue verbleibt. Zudem, welcher Mensch öffnet ein wertvolles Geschenk nicht sofort, sondern lagert es im Keller und vergisst es dort?
Marina Fankhauser