Natur - eine Goldgrube?

An einem Spätsommertag spazierte ich mit meinem Mann einen Waldrand entlang. Immer wieder blieben wir stehen, weil wir etwas in unseren Augen Interessantes entdeckt hatten. Einmal war es ein Pärchen Strauchschrecken, das die Sonnenwärme auf einem Brombeerstrauch genoss, dann eine Kreuzspinne, die mit meisterhafter Eleganz ihr Netz ausbesserte und dabei stets mit dem linken Vorderbein die Entfernung zum schon gesponnenen Faden abmass und den neuen Faden mit dem alten verknüpfte. Wir mussten uns eingestehen, dass sie ihr Handwerk verstand, da entstand kein Baupfusch, sondern ein haltbares und elastisches Gebilde - ein Wunderwerk. Als wir noch ganz in der Bewunderung dieses Machwerks versunken dastanden, näherte sich eine ältere Frau und fragte uns, ob wir unsere Schlüssel verloren hätten und nun auf der Suche wären. Wir verneinten und wiesen auf das faszinierende Spinnennetz hin, was nur ungläubiges Kopfschütteln auslöste, dass wir uns mit so etwas Alltäglichem abgaben.

Nach einer Weile entdeckten wir eine grüne Buckelzikade, die sich wie ein junger Trieb an ein Ästchen klammerte. Ihre Körperform war pyramidenförmig und für ein Insekt äusserst ungewöhnlich. Was gab es da wieder zu staunen, besonders als sich das dreieckige Wesen blitzschnell in die Luft erhob und davonflog. Ein Herr mittleren Alters belehrte uns, dass wir bestimmt keine Himbeeren mehr finden würden, die seien schon alle abgelesen. Wir verzichteten darauf, ihn über unser Interesse an der Umgebung aufzuklären.

Die dritte Person, die uns ansprach, war wiederum eine Frau, die neugierig ihre Blicke schweifen liess und wissen wollte, ob wir auf der Suche nach einem Goldvreneli seien. Die Natur als Goldgrube? Ganz bestimmt, aber nicht in der Art, wie diese Frau es gemeint hatte. Die Natur trägt die Handschrift Gottes, ihres Schöpfers. Kein von Menschen erbautes Monument, kann einen Herrscher, ein Genie, einen Helden so verherrlichen, wie die Schöpfung den, der sie ersonnen und gestaltet hat. Kein Mensch wäre fähig, all die Verknüpfungen und Abhängigkeiten des Lebens, seine Schönheit und Vielgestaltigkeit in so genialer Weise auszudenken. Darum heisst es ja auch im Römerbrief, Kap. 1, Vers 20:
Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird aus der Schöpfung der Welt ersehen, aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben.

Ja, ein Goldvreneli wird wohl keiner finden, aber wer mit offenen Augen und wachen Sinnen durch die Natur streift, wird etwas viel Wertvolleres nach Hause tragen - das Staunen über die Grösse, die Macht und den Reichtum unseres Schöpfers. Vielleicht weckt es die Dankbarkeit in unseren Herzen, vielleicht auch das Lob und die Anbetung. Man muss schon blind sein, um nicht von dieser Genialität tief ergriffen zu werden. Alle unseren technischen Errungenschaften sind ein Nichts, gemessen an einer Libelle. Wir haben das Prinzip beim Bau unserer Helikopter nur nachgeahmt. Kein menschlicher Staat funktioniert so gut, wie der der Ameisen, denen Gott ihr Verhalten in ihre Gene gelegt hat. Wir Menschen haben von unserem Schöpfer die Freiheit bekommen, unsere Entscheidungen selbst zu treffen, für oder gegen ihn. Dementsprechend sieht aber auch das Resultat aus. Segen oder Fluch! Du hast die Wahl.

Marina Fankhauser