Nachfolge

 

"Komm und folge mir nach", sprach Jesus zu Simon und Andreas und zu Jakobus und Johannes, den zwei Söhnen des Zebedäus. Die ersteren waren damit beschäftigt ihre Netze auszuwerfen, denn sie waren Fischer und die anderen zwei reparierten zusammen mit ihrem Vater die zerrissenen Netze. Alle vier standen sofort auf und verliessen ihre Arbeit und ihre Familie. Das war keine Fischverarbeitungsfabrik, wo es auf einige mehr oder weniger nicht ankam, sondern das waren Familienbetriebe, wo jeder einzelne unersetzlich war. Die vier Männer wussten nicht, was sie erwarten würde. Sie holten auch keine Auskünfte über diesen Wanderprediger ein und fragten nicht nach dem Lohn. Sie erbaten sich auch keine Bedenkzeit um ihr Tun unter allen Aspekten zu beleuchten und Rücksprache mit ihren Familienangehörigen zu halten. Sie wogen nicht ab, was sie gewinnen und was sie verlieren würden. Simon war sogar verheiratet und informierte seine Frau nicht über seinen Entschluss nun mit einem Rabbi durch die Lande zu ziehen. Es heisst, die Männer liessen alles stehen und liegen und gingen mit Jesus.

Die Fischer waren nicht die einzigen, die einen solchen spontanen Entschluss fassten. Matthäus, der Zöllner sass in seiner Zollbude und ging seinem lukrativen Geschäft nach, von den Durchreisenden saftige Abgaben einzufordern. Auch dieser Mann folgte der Aufforderung Jesu sofort ohne Wenn und Aber. Jesus muss eine innere Autorität und Ausstrahlung gehabt haben, die die Menschen überzeugte.

Könntest du dir vorstellen, dass diese Aufforderung auch bei dir funktionieren würde? Du würdest deine Frau und deine Kinder verlassen, deine schöne, komfortable Wohnung aufgeben, deine Karriere aufs Spiel setzen, deine sichere Arbeitsstelle ohne Kündigung verlassen und dich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang einlassen? Dann müsstest du schon ein richtiger Abenteurertyp sein und hättest kaum eine Familie gegründet. Mir ist nur ein Fall bekannt, wo ein Mensch unserer Kultur so eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen hat. Niklaus von der Flüe hatte 9 Kinder und das Zehnte war schon unterwegs als er seine Familie, die einen grösseren Bauernhof bewirtschaftete, verliess und als Eremit in einer Waldhöhle den Rest seines Lebens verbrachte. Ich hatte mich stets über seine Verantwortungslosigkeit seiner Familie gegenüber empört und geärgert und fand, dass er seine Askeseübungen und seine Meditationen auch daheim hätte durchführen können, statt seine Frau mit zehn Kindern sitzen zu lassen. Seine Frau hatte allerdings seine Entscheidung mitgetragen. Jesus hatte keinen Familienvater auf seine Wanderschaft mitgenommen und damit die Familie unversorgt zurückgelassen. Aber er hatte auch gesagt: "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Das galt einem jungen Mann, der Jesu Aufforderung zur Nachfolge mit einer Bitte um Aufschub beantwortete. Er wollte zuerst seinen Vater begraben, wobei wir nicht wissen, ob der Vater schon gestorben oder noch am Leben war. Ein anderer Angesprochener wollte zuerst Abschied von seinen Hausgenossen nehmen. Wir würden sagen, ein legitimer Wunsch. Doch wenn heute Jesu Aufforderung an dich ergeht: "Folge mir nach!", so musst du nicht alles verlassen, wohl aber dein altes Leben mit allen schlechten Bindungen und Gewohnheiten. Schiebe auf keinen Fall die Entscheidung auf später auf, denn dann bist du auch nicht geschickt für das Reich Gottes. Entscheide dich so spontan wie die erwähnten 5 Jünger für ein Leben mit Jesus, das keinen ungewissen Ausgang hat sondern in der Vergebung deiner Schuld und im ewigen Leben einmündet.

Marina Fankhauser