
Im 33. Kapitel des Buches Hesekiel ist vom leichtfertigen Hören die Rede. Die Menschen vernehmen durch Mundpropaganda, dass ein Prophet unter ihnen lebt und eine Botschaft auszurichten hätte. Sie beschliessen auch hinzugehen und sie sich anzuhören. Schliesslich ist sonst nichts los und etwas Zeitvertreib im Exil kann nicht schaden. Sie lauschen ihm wie einem Minnesänger, der eine schöne und ausgebildete Stimme besitzt und sie damit bezaubert. Heute würden wir wohl ein Popkonzert oder die Altrockband von Mike Jagger bevorzugen. Jede Zeit hat ihre Vorlieben. Sie hören die Worte von Hesekiel als Abwechslung ihres eintönigen Daseins und als Unterhaltung, doch sie treffen weder ihr Herz noch setzen sie ihren Willen in Bewegung. Ihr Herz ist schon anderweitig auf der Jagd nach materiellem Gewinn vergeben. Sie hören die Worte wohl, doch sie tun nicht danach.
Ist es heute so viel anders? Wir gehen am Sonntag zur Predigt und sofern der Pfarrer ein begnadeter Rhetoriker ist, geniessen wir seinen Vortrag. Wir wollen sowieso nur das hören, was uns erbaut und in unserer guten Meinung über uns bestärkt. Sollte der Pfarrer ansatzweise Kritik äussern und unangenehme Tatsachen ansprechen, so geht das nur unsere Banknachbarn an und trifft uns nicht. Dann gehen wir nach Hause im Glanz eines rechtschaffenen, untadeligen christlichen Lebens und wenden uns am nächsten Tag unseren Geschäften und Interessen zu. Gottes Wort ist etwas für den Sonntag und hat mit unserem wirklichen Leben nichts zu schaffen. Vor allem soll es uns beim Gewinnoptimieren nicht in die Quere kommen oder unsere Vergnügungssucht dämpfen. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was ihm zukommt – den Sonntagmorgen. Was darüber hinausgeht ist schon verpönter Fundamentalismus. Wo kämen wir denn hin, wenn Gott in unser Alltagsleben hineinreden dürfte.
Ist diese Trennung von zur Schau gestellter Frömmigkeit und selbstsüchtigen Interessen nach dem Willen Gottes? Wir können Gott nicht wie einen Talisman benützen, wenn uns der Schuh drückt, wir in einer schwierigen Lebensphase stecken, eine Krankheit unser Leben bedroht oder der Ruin vor der Tür steht. „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“, sagt der Herr und er meint es auch so. Doch kann man ihn nicht wie eine Trumpfkarte ziehen und danach das Spiel abbrechen. Gott will einen stetigen Platz in unseren Herzen und zwar den ersten. Er ist kein Notaggregat, das man beliebig einsetzen kann, wenn der eigene Strom ausfällt. Er will, dass wir ihn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand und nichts vor ihm ausschliessen, keine Geheimfächer vor ihm verstecken, wo er keinen Zutritt hat. Gott gibt sich nur mit ganzer Hingabe zufrieden, denn er hat sie zuerst geübt, als sein Sohn am Kreuz für unsere Verfehlungen den Tod erlitten hat. Einen grösseren Preis kann man nicht bezahlen und das für Menschen, die seine Feinde waren und auch heute noch oft sind.
Wie kann man dieser Liebe und Hingabe begegnen? Mit dankerfülltem Herzen und freudiger Nachfolge. Gott gibt uns weit mehr als er fordert. Wenn wir uns auf ihn einlassen, werden wir schnell merken, um wie viel reicher unser Leben wird, wie Friede und Freude in unserem Herzen Einzug halten. Zögern wir nicht, unser Leben unter die Herrschaft von Jesus Christus, unseren Erretter zu stellen und vom leichtfertigen Zuhörer zum Täter des Wortes und zu einem Jünger Jesu zu werden, der seiner Gegenwart stets bewusst ist und in seinem Licht, welches das ganze Dasein durchdringt, lebt.
Marina Fankhauser