Lass mein Volk ziehen

Wer kennt nicht die Geschichte, wie Moses im Auftrag Gottes den Pharao bittet, das Volk Israel zur Anbetung und zum Opfern in die Wüste ziehen zu lassen? Er fasst damit ein heisses Eisen an, denn für den ägyptischen Regenten waren die Israeliten ein wirtschaftlicher Gewinn. Sie leisteten Frondienst bei der Herstellung von Ziegeln. Durch den Wegzug würde ein ganzer Wirtschaftszweig lahmgelegt. So ist es gut nachvollziehbar, dass der Pharao von dem Ansinnen alles andere als erbaut war. Es brauchte schon massive Prüfungen, die ihm und seinem Volk auferlegt wurden, damit er seinen Sinn änderte. Die einfacheren Plagen liessen ihn kalt und er liess sich gar nicht auf Diskussionen mit Mose ein. Als die Katastrophen sein Land ins Unglück zu stürzen drohten, war er zu einigen Zugeständnissen bereit, die er aber sofort widerrief, als der Druck nach Moses Fürbitte von ihm genommen wurde. Erst das Sterben aller Erstgeborenen zwang ihn, das hebräische Volk aus dem Land zu weisen.

Es liegt im Wesen der Menschen, Gott in der Not Versprechungen und Gelübde abzulegen. Wer hat nicht schon gute Vorsätze gefasst, wenn Gott Genesung von einer schweren Krankheit oder das Bestehen eines Examens schenken würde? Und wie wenig davon wurde dann schlussendlich auch eingehalten? Wenn der Druck nachlässt, geht man zur Tagesordnung über. Eine Operation von mir wurde um eine Woche aufgeschoben und sofort fühlte ich mich befreit. Ich konnte einige Tage so tun, als ob alles in bester Ordnung wäre und das Unangenehme verdrängen. Aber je näher der neue Termin rückte, umso mehr nahm mich die Furcht vor dem Bevorstehenden wieder gefangen. Besser ist es, sein Herz Gott zu öffnen und sich von Ihm den Seelenfrieden geben zu lassen, der über allen logischen Argumenten und Befürchtungen steht. Wer sich in die Hand Gottes fallen lässt und sich dort geborgen fühlt, wird nicht mehr bedrängt. Jesus hat doch gerade in solche Situationen hinein gesagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber fürchtet euch nicht, denn ich habe die Welt überwunden.“ Das gibt Gelassenheit, die länger andauert als es der Aufschub eines unangenehmen Eingriffes bewirken könnte.

Der Pharao hat gegen Gottes Weisung angekämpft und ist mit seiner Armee untergegangen. Gott macht es uns leichter, denn er verhärtet unser Herz nicht, sondern schenkt uns seinen Heiligen Geist, der uns das Wollen und das Vollbringen schenkt. Mit Gott zu leben ist spannender und befriedigender als sich seinem Willen zu widersetzen. Die enge Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater, lässt uns auch im Alltag seine Liebe und Fürsorge erfahren. Es gibt nichts in unserem irdischen Leben, das Jesus, der wie wir auf der Erde gelebt und versucht worden ist, nicht nachvollziehen könnte. Mit seinem Beistand können wir immer rechnen. Er lässt uns nie im Stich.

Marina Fankhauser