Klug wie die Schlangen
und ohne Falsch wie die Tauben

 

Das ist eine Aufforderung Jesu an uns Christen unseren Verstand einzusetzen, denn auch dieser ist eine Gabe Gottes und uns zum Gebrauch geschenkt und nicht etwas, dessen wir uns schämen müssten. Wenn wir gleichzeitig wie die Kinder sein sollen, so ist damit nicht Unbedarftheit gemeint, sondern das kindliche Vertrauen in Gottes Wort und seine Führung. Paulus demonstriert einige Male in der Heiligen Schrift, wie er seinen Verstand benützt. Als er in Athen seine Mission antrat, fand er den richtigen Anknüpfungspunkt. Er wetterte nicht gegen den verbreiteten Götzendienst und brachte damit alle Athener gegen sich auf, nein, er lobte, dass sie die Götter in allen Stücken sehr verehrten. Er blieb aber nicht dabei stehen, um sich bei ihnen einzuschmeicheln, denn das wäre Falschheit und eines Apostels nicht würdig. Er sagte: „Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. “Er hatte ihnen damit den Wind des Widerspruchs aus den Segeln genommen. Er baute auf etwas auf, das sie selber geschaffen hatten und das ihnen vertraut war. Ein besseres Beispiel von Klugheit könnte man gar nicht liefern. Hier schuf er sich die Plattform, wo er vom lebendigen Gott erzählen konnte. Bei der Auferstehung der Toten schieden sich allerdings die Geister, die einen spotteten, die anderen vertagten das Gespräch und einige wurden gläubig. Gerufen waren alle, aber die Antworten darauf fielen verschieden aus. Doch Gott rechnet nicht in Erfolgsprozenten sondern freut sich über jeden und jede, die ein Ja zu ihm haben.

Vielleicht sollten auch wir uns ein Beispiel an Paulus Vorgehen nehmen. Entweder sind wir feige und sagen gar nichts um nicht unangenehm aufzufallen oder dann sind wir so mutig, dass wir mit der Türe ins Haus fallen und die Menschen vor den Kopf stossen. In meinen jungen Jahren sprach mich ein Mann auf der Strasse an mit den Worten: „Wie steht es mit ihrem Seelenheil?“ Was sollte ich mit so einer plumpen Frage anfangen? Ich wich ihm aus und setzte meinen Weg so schnell wie möglich fort. Nach meiner Scheidung und Wiederheirat – ich war zu dem Zeitpunkt Jesus noch nicht begegnet – wünschte mir meine gläubige Bürokollegin Gottes Segen für meine neue Verbindung. Ich war erschüttert und tief bewegt, dass sie mich nicht verurteilt, sondern gesegnet hatte. Das war ein Pflaster auf meine vielen Wunden und brachte etwas zum Klingen, was sich später zu einer lauten Stimme wandeln sollte, die mich zu Jesus zog. Barmherzigkeit öffnet viele verschüttete Türen, abweisende Kälte betoniert sie zu.

Paulus führt uns auch vor, mit welcher Klugheit er sich von den Mächtigen der Welt verteidigte. Ob vor den Statthaltern Felix und Festus oder vor dem König Agrippa mit seiner Gemahlin Berenike, er fand immer den richtigen Einstieg in seine Verteidigungsrede. Alle diese Personen hielten ihn für unschuldig, doch waren sie entweder geldgierig und erwarteten von ihm Geschenke oder sie wollten dem Volk einen Gefallen tun und behielten Paulus in der Haft. Der König hätte ihn gar freigelassen, wenn sich Paulus nicht auf den Kaiser berufen hätte. Doch dieser Weg war ihm vorgezeichnet, er hatte eine Vision, dass er auch in Rom Jesus verkündigen sollte. Er wusste allerdings noch nicht, dass er diese Stadt in Fesseln erreichen sollte. Gerade die Gefangenschaft um Christi willen öffnete ihm viele Herzen und liess die Gemeinde der Gläubigen wachsen. Wo ist dein Wirkungsgebiet?

Marina Fankhauser