
Dieser Satz regiert die Welt und hebt das biblische Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, vollkommen auf. Es genügt, wenn man sich selbst liebt, dann erfüllt man ja auch das Gebot der Nächstenliebe. Wer ist mein Nächster? Natürlich ich, persönlich. Da treffe ich zwei Fliegen auf einen Schlag. Wozu Rücksicht auf andere nehmen, die tun es auch nicht. Wenn ich Karriere machen will, ist Gefühlsduselei mir im Wege. Ich werde alles daran setzen, mich auch auf Kosten meines Mitbewerbers zu profilieren. Da gibt es verschiedene altbewährte Methoden, wie Mobbing, üble Nachrede, den anderen als unfähig hinstellen, sich selbst herausstreichen. Letztes Jahr konnten wir das alles bis in Perfektion bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen beobachten. Es wurde gegenseitig demontiert, nach Schwachpunkten gesucht, verleumdet und die eigene Person als Retter der Nation hingestellt. Je mehr der eigene Glanz aufleuchtete, je rosigere Zukunftsprognosen und Versprechen abgegeben wurden, umso mehr Zweifel sollten das Volk über den Wahrheitsgehalt der Aussagen beschleichen, wenn dieses urteilsfähig war. Doch die Geschichte zeigt, dass dies kaum der Fall ist. Wir müssen allerdings nicht die Amerikaner als schlechtes Beispiel sehen, auch in der Schweiz geht es nicht viel anders zu, wenn die verschiedenen Parteien sich als Retter der Heimat hinstellen und dabei nur die eigenen Interessen wahren.
Welches Beispiel hat uns eigentlich Jesus gegeben? Trat er mit grossartigen Versprechungen auf um das Volk hinter sich zu scharen? Verteilte er Ministerposten und Reichtümer, Einfluss und Macht? Nein, er legte jeweils den Finger auf den wunden Punkt der Menschen – die Verlorenheit und die Gottferne, entstanden durch die Abkehr von Gottes Geboten, welche in einem Gebot zusammengefasst werden konnten:
Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.
Dass Jesus sich selbst nicht der Nächste war, hat er bewiesen als er freiwillig ans Kreuz ging. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, die Engelscharen zu mobilisieren um ihn aus den rachelüsternen Händen der Pharisäer und Schriftgelehrten zu befreien. Doch er dachte nicht an sich und die Leiden, die ihm bevorstanden, er sah das Meer von Menschen, die alle dem Verderben preisgegeben waren, wenn er deren Strafe nicht auf sich nahm. Er spürte Liebe zu den Verlorenen, auch wenn sie ihn ablehnten und wollte sie retten. Wo auf der Welt finden wir noch solch eine selbstlose Liebe und Hingabe? Wenn eine Mutter für ihr Kind ihr Leben hingibt, so wird ihre Liebe vom Kind erwidert, aber das Wertvollste , das Leben, hinzugeben für jemand, der einen hasst oder dem man völlig gleichgültig ist, übersteigt das menschliche Vermögen. Jesus hat es getan, denn er war sich nicht selbst der Nächste, sondern du und ich. Sollte uns dieses Opfer nicht bis ins tiefste Herz treffen, Dankbarkeit und Liebe zu unserem Erlöser wecken und unser Verständnis vom Nächsten neu überdenken lassen?
Marina Fankhauser