HABGIER

Die Geschichte von der Heilung des aramäischen Feldhauptmanns Naaman durch die Anweisungen Elisas, die im letzten Input behandelt worden war, hatte noch ein Nachspiel. Der Diener von Elisa, Gehasi, fand es nicht so gut, dass sein Meister alle Schätze Naamans abgelehnt hatte und versuchte nun auf eigene Faust etwas für sich dabei herauszuschlagen. Er folgte Naaman und log ihn an, dass Elisa Besuch von zwei Prophetenjüngern bekommen hätte und nun doch Verwendung für zwei Zentner Silber und zwei Festtagskleider hätte. Naaman wollte sich noch so gerne für seine Heilung erkenntlich zeigen und sandte zwei Diener mit, die Gehasi die Gabe nachtrugen. In Samaria angelangt, entliess dieser die Träger und schaffte das Edelmetall in sein Haus. Elisa gegenüber tat er, als ob nichts geschehen wäre, doch dieser hatte im Geist Gehasi gesehen, wie er dem Feldhauptmann nachgerannt und von ihm die Reichtümer erbeten hatte. Er solle sich nur ein Haus, Äcker und Weinberge kaufen, sagte ihm der Prophet, doch als Gegenzug müsse er auch die Krankheit Naamans auf sich nehmen. Gehasi ging weiss wie Schnee, d.h. voller Aussatz, von Elisa weg. Ob sich wohl für ihn der erschlichene Reichtum gelohnt hat? In der Schweiz wurden im letzten Jahr die Gemüter durch die Bankenkrise stark bewegt, weil einzelne Manager die ganze Welt durch ihre Habgier in eine Katastrophe gestürzt hatten. Rezession, Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldungen und persönliche Miseren resultierten daraus. Doch die Leute, die dies alles verschuldet hatten, besassen noch den Nerv sich hohe Boni in Millionenhöhe auszahlen zu lassen. Sie wurden dadurch nicht wie Gehasi, weiss wie Schnee, nein, sie wurden nicht einmal rot dabei. Doch Segen wird auf diesem solcherart erworbenen Reichtum nicht liegen.

Habgier findet man nicht nur bei den Reichen. Ich hatte einmal als Jugendliche ein Erlebnis, das mir im Gedächtnis haften geblieben ist. Mit meiner Mutter und Tante hatten wir einen Ausflug auf den Gornergrat unternommen und assen im Restaurant zu Mittag. Eine Gruppe von Frauen speiste ebenfalls dort und hatte wohl ein Menu à la discrétion bestellt. Die Frauen stürzten sich auf die Fleischbeilage und liessen alles andere links liegen, denn gemäss ihrem Kommentar kostete das Fleisch am meisten. Es gab sogar zwei Damen, die den anderen verkündeten, dass sie auf die Toilette gehen würden um sich den Finger in den Hals zu stecken, damit sie weiter essen konnten. Ich war entsetzt ob dieser Habgier und wie man mit der Nahrung, einer Gabe Gottes, umging. Nicht immer zeigt sich die Habgier so offensichtlich, oft kann man sie auch verstecken und bemänteln, aber immer entwickelt sie ihre zerstörerische Wirkung. Sie verhärtet das Herz und macht egoistisch.

Jesus warnt uns davor: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier, denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Als Beispiel fügt er die Geschichte vom reichen Kornbauer an, der für seine üppigen Ernten neue Scheunen bauen liess und es sich nun gut gehen lassen wollte. Er verliess sich auf seinen Reichtum statt auf Gott. Doch Gott forderte noch in der gleichen Nacht seine Seele von ihm, so dass ihm sein angehäufter Besitz nichts nützte, denn das letzte Hemd hat ja bekanntlich keine Taschen.

Die Gier und das Raffen bringt uns nicht weiter, wohl aber das Vertrauen in Gott, dass Er uns das Nötige zum Leben schenken wird. Wenn Er sogar die Haare auf unserem Haupt gezählt hat, wird Er uns selbst auch nicht zugrunde gehen lassen, wenn wir auf Ihn statt auf den Mammon setzen.

Marina Fankhauser