Getreu bis an den Tod
Erinnert uns dieser Titel an längst vergangene Zeiten, an ein Heldenepos oder sogar die Kreuzzüge ins Heilige Land? Wer wirft heute noch mit solchen gewichtigen Worten um sich? Auf uns moderne Menschen wirkt es doch etwas pathetisch und überzogen. Wer nimmt es heute mit der Treue noch so genau? Man heiratet nicht mehr bis "der Tod uns scheidet", sondern geht eine Partnerschaft auf einen begrenzten Lebensabschnitt ein. Diese Haltung wird auch noch mit der Begründung rechtfertigt, nicht verlogen zu sein. Welche Liebe hält schon ein ganzes Leben? Wenn die Luft raus ist, sieht man sich nach einer neuen Beziehung um.
Aber nicht nur in der zwischenmenschlichen Liebesbeziehung hält man sich an den Grundsatz, Treue nur auszuüben, so lange die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden und Schmetterlinge im Bauch kreisen. Auch Freundschaften werden nach dem Nützlichkeitsprinzip gestaltet. Sieht man keinen Vorteil mehr für sich, wendet man sich dem nächsten Kandidaten zu, der einem mehr Möglichkeiten bieten kann, sei es im beruflichen Fortkommen oder im gesellschaftlichen Bereich.
Auch in der Arbeitswelt ist dieser Begriff lächerlich. Altgediente Mitarbeiter werden aus Gewinnoptimierungsgründen ohne Dank entlassen. Soll doch der Staat für die teuren und überflüssig gewordenen Menschen sorgen. Die Last wird elegant weitergereicht. Etliche grosse Firmen erzielen Riesengewinne und der Staat gerät finanziell immer stärker unter Druck. Unsere sozialen Einrichtungen, wie AHV, IV und die Pensionskassen stehen bereits auf tönernen Füssen und die ganze Idee der Solidarität mit den Schwachen wird schon in Frage gestellt.
Also, wo gilt das obige Zitat noch? Es steht in der Bibel in der Offenbarung und heisst vollständig: Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Es meint, der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, trotz allen Widerständen, Verfolgungen und Anfeindungen die Treue zu halten, sich nicht der Welt gleichzustellen, nicht am fremden Joch mitzuziehen. Sich nicht schämen, Jesus zu bekennen und seinem Vorbild nachzueifern. Sich von Betrug und Lüge abzugrenzen, dem Nächsten Liebe und Wertschätzung entgegen zu bringen. Kein Bonus der Wirtschaft, keine Abgangsentschädigung ist so hoch, wie diese wunderbare Zusicherung von Gott. Warum also zögern? Gott ist treu und steht zu seinem Wort. Machen auch wir es mit der Treue ernst, denn er befähigt uns dazu durch seine Gegenwart. Hat Jesus nicht gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt? Wir sind also nicht auf uns selbst gestellt, sondern haben den zuverlässigsten Beistand der Welt.
Marina Fankhauser