Gehorsam oder Opfer

Gehorchen hat man uns als Kindern mehr oder weniger beigebracht, vielfach eher weniger. Wie oft haben wir uns ums Gehorchen gedrückt und viel Phantasie für griffige Ausreden eingesetzt. Nun sind wir inzwischen erwachsen geworden und sind autonom, brauchen niemand zu gehorchen oder etwa doch? Ist da nicht ein Vorgesetzter, dem wir Rechenschaft ablegen, den Gesetzen des Staates Folge leisten müssen und wie steht es mit den Weisungen Gottes? Über letztere setzen wir uns am leichtesten hinweg, denn meistens hat es keine sofortigen Konsequenzen. Manchmal plagt uns schon das schlechte Gewissen, wenn wir offensichtlich Gott ausgewichen sind und dann sind wir bereit, sogar ein Opfer auf uns zu nehmen um die Sache wieder auszubügeln. Gott wird sich doch wohl mit einem Ersatz zufrieden geben. Ungehorsam, aber dafür ein Opfer, das uns auch etliches abverlangt, ist doch ein guter Tauschhandel. Sieht Gott das auch so und gibt sich damit zufrieden?

Als Saul auf Gottes Befehl gegen die Amalekiter in den Krieg zog, trug ihm Gott auf, den Bann an allen Lebewesen zu vollziehen, auch an den Viehherden. Saul besiegte das Volk und führte Gottes Befehl aus, aber die besten Rinder und Schafe sonderte er aus. Als der Richter Samuel bei seinem Besuch bei Saul das Muhen und Blöken hörte, stellte er den König zur Rede. "Hat dir Gott nicht befohlen, den Bann an den Frevlern, den Amalekitern zu vollstrecken und sie zu vertilgen? Du hast aber der Stimme Gottes nicht gehorcht, hast dich an die Beute gemacht und getan, was dem Herrn missfiel." Saul war um eine Ausrede nicht verlegen, schob die Schuld auf das Volk und rechtfertigte es auch gleichzeitig: "Das Volk hat von der Beute genommen um es dem Herrn, deinem Gott zu opfern in Gilgal." Im Klartext: alles ist in bester Ordnung, Gott kann völlig zufrieden sein, denn Er wird mit Opfern gnädig gestimmt. Wie erstaunt war Saul als ihm Samuel erklärte: "Gehorsam ist besser als Opfer.

Denn Ungehorsam ist Sünde wie Zauberei und Widerstreben wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du des Herrn Wort verworfen hast, hat Er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König seist." Das Handeln Sauls hatte also fatale Auswirkungen. Gott lässt sich mit selbst auferlegten Opfern nicht beschwichtigen. Es gibt nur ein Opfer, das Gott wohlgefällig ist, dasjenige, welches Sein Sohn am Kreuz für unsere Verfehlungen dargebracht hat. Dieses genügt auch, um uns vor Gott gerecht erscheinen zu lassen. Wir können nicht nachdoppeln oder Verbesserungen durch Eigenleistungen anbringen. Wir können nur bereuen, Gott unsere Schuld bekennen und die Erlösung von unserer gerechten Strafe durch Jesus Christus für uns in Anspruch nehmen. Gott liebt uns. Er weiss, dass wir es nie geschafft hätten, durch eigene Kraft Ihm in allen Dingen gehorsam zu sein und vor Seinen Augen zu bestehen. Wir hätten alle den Tod verdient, der die Quittung für den Ungehorsam ist. Aber nun hat Jesus unsere Strafe auf sich genommen und für uns mit Seinem Tod bezahlt, damit wir Frieden mit Gott haben. Er schenkt uns Seinen Heiligen Geist, der es uns erst ermöglicht, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun. Fehlen wir dennoch, so haben wir einen Fürsprecher bei Gott, der unsere Sache vor Ihm vertritt. So lasst uns Jesus Christus dienen aus Dankbarkeit und mit freudigem Herzen und nicht um uns Verdienste anrechnen zu lassen.

Marina Fankhauser