Gebete

Wo haben unsere Gebete die meiste Kraft? Wo können sie den Himmel durchdringen und vor Gottes Thron gelangen? Ist es in der Kirche, in der freien Natur oder im stillen Kämmerlein? Welche Körperhaltung ist dabei am effizientesten? Sollen wir knien, sitzen, stehen, am Boden liegen, die Hände gefaltet mit abwärts gerichtetem Blick, mit erhobenen Armen zum Himmel oder in eine bestimmte Himmelsrichtung gewandt, zum Beispiel nach Jerusalem? Oder sollen wir gar anbetend tanzen, wie David vor der Bundeslade? Wie wir es tun, hängt wahrscheinlich mit unserer Tradition zusammen, aber was denkt Gott darüber? Welcher Art gibt er den Vorzug?

Jesus hat uns in der Heiligen Schrift Verschiedenes über das Gebet gesagt. Die Juden beteten im Tempel in Jerusalem an, die Samariter auf ihren Höhen. Dies trennte unter anderem bereits die beiden Völker. Doch auf die Frage der Samariterin beim Jakobsbrunnen, welcher denn nun der richtige Ort der Anbetung sei, entgegnet Jesus, dass die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Er fügte dann bei, dass Gott solche Anbeter sucht und haben will. Der Ort und die Körperhaltung spielt keine Rolle, wohl aber deine innere Einstellung. Tritt demütig vor Gott und sei deiner Unvollkommenheit bewusst, klopfe dir nicht auf die Schulter, weil du meinst, du hättest etwas Grosses für Gott geleistet. Der Zöllner, der sich an die Brust schlug und rief: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ wurde gerechtfertigt im Gegensatz zum Pharisäer, der dafür dankte, dass er nicht so schlecht wie die anderen Leute war und sich etwas darauf einbildete, von allem den Zehnten zu geben.

Vielleicht hast du den Eindruck, wenig für Gott tun zu können, weil du alt oder krank und menschlich gesehen nutzlos bist. Du hast Zeit – ein kostbares, vergängliches Gut – und weißt nicht, was damit anzufangen? Dann bist du gerade die oder der, die Gott für einen speziellen und wertvollen Dienst sucht als engagierten Beter. Ein ernsthaftes Gebet kann die Welt bewegen, weil es Gottes Arm in Bewegung setzt. Gott will, dass wir bei Ihm Zuflucht suchen und unser Lob als eine Gabe Ihm darbringen. Dazu gehört auch der Dank. „Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.“ Er will aber auch, dass wir für andere Menschen, Kranke, Belastete und Gefährdete Fürbitte einlegen. Er legt uns unsere Institutionen und die Regierung ans Herz. Wenn wir in Frieden und Sicherheit leben wollen, müssen diejenigen die unser Schicksal auf Erden leiten unter die Führung Gottes gestellt werden, dass nicht Willkür und Machtanspruch die Oberhand gewinnen. Die Anliegen und die Arbeit werden einem Beter nie ausgehen. Wenn du einen Riss in der Mauer ausfüllen willst – bildlich gesprochen – so ist das harte Knochenarbeit, die nicht ab und zu Mal erledigt werden kann, sondern dich ganz beansprucht mit Herz uns Seele. Wenn du einwendest, dass du nicht so wortgewaltig seiest und nicht recht weißt, wie du beten sollst, so musst du wissen, dass dich der Heilige Geist im Gebet vor Gott vertreten wird. In der Bibel heisst es, dass Er das mit unaussprechlichem Seufzen tun wird. Wie wir unsere Gebete auch formulieren können, vor Gott werden sie in der Sprache ausgebreitet, die Ihm zu Herzen geht. Vielleicht bist du wirklich derjenige, den Gott für diese Aufgabe sucht?

Marina Fankhauser