
Bei einer Bergwanderung kann ein Fehltritt zu einer Verletzung oder gar zum Tod führen, darum sieht man sich vor, wohin man die Füsse setzt. Ein Fehltritt im Leben hat ebenfalls gravierende Folgen, er kann eine Kettenreaktion auslösen, die man nicht mehr in den Griff bekommt.
Ein Beispiel dafür ist der König David. Er hatte sich vom Anblick einer Frau betören lassen und obwohl er wusste, dass sie verheiratet war, konnte er seine Lust nicht bezähmen und nahm sie sich. Schliesslich war er der mächtigste Mann im Land. Natürlich wusste er genau, dass er damit gegen Gottes Gebot verstiess und die Todesstrafe verdient hatte, doch er rechnete nicht damit, dass seine Tat ruchbar würde. Nun wurde aber Bathseba schwanger und sein Fehltritt liess sich nicht mehr verheimlichen, wenn er nicht ihren Mann dazu brachte, in der nächsten Zeit seiner Frau beizuwohnen und so das gezeugte Kind als seins anzusehen. Bathsebas Mann, Uria, liess sich nicht nach dem Willen Davids manipulieren und blieb seiner Frau fern. Jetzt blieb nur noch ein Ausweg – Uria musste sterben und dann konnte er Bathseba zu seiner Frau machen. Zur Strafe für die gemeine Tat, die David bereute, nachdem ein Prophet ihm die Augen für seine Schuld geöffnet hatte, starb ihr gemeinsames Kind. Nun könnte man meinen, sei alles wieder im Lot, die Tat gesühnt, die Moral wieder hergestellt, aber weit gefehlt. Amnon, Davids Erstgeborener, begehrte seine Halbschwester Tamar und nahm sie sich mit Gewalt und verstiess sie gleich darauf mit Schimpf und Schande. Wäre es jetzt nicht am Vater gewesen, der nicht nur König sondern auch Richter war, diese Tat zu ahnden und zu bestrafen? Doch geschah nichts dergleichen. David war ja selbst in einer gleichen Weise schuldig geworden, wie konnte er sich nun zum Richter über seinen Sohn aufwerfen. Er tat also gar nichts und die Vergewaltigung hatte für Amnon keine Konsequenzen. Absalom, der Bruder Tamars hingegen, trug sich mit Rachegedanken. Er erliess eine Einladung an alle Königssöhne und erschlug bei dieser Gelegenheit seinen Halbbruder Amnon. Dann floh er aus dem Lande. David trauerte um seinen Erstgeborenen. Wurde er sich bewusst, dass er an dessen Tod durch seine Milde mitschuldig war? Und dass er mit seiner Tatenlosigkeit Absalom zu einem Verbrechen gereizt hatte? Der erste Fehltritt verursacht Skrupel, der zweite weit weniger. Vor dem Mord an seinem Bruder hatte sich Absalom nichts zu Schulden kommen lassen, doch nun hegte er Hassgefühle dem Vater gegenüber und wurde von Machtgier getrieben. Als nächste Kettenreaktion kam der Aufstand gegen den Vater und König. Er wollte selbst auf dem Thron sitzen, ein Wunsch, den er mit seinem Tod bezahlte. David musste bereits seinen dritten Sohn beweinen.
Womit hatte diese schreckliche Abfolge begonnen? Mit der Übertretung des Gebotes: Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib. Als Folge vier Tote: Uria, Davids neugeborener Sohn, Amnon und Absalom und beinahe der Verlust des Reiches. David hatte sich mit seinem Tun angreifbar und inkompetent gemacht und musste hilflos zusehen, wie alles aus dem Ruder lief.
Gott vergibt auch uns einen Fehltritt, wenn wir ihn bereuen und ihn um Vergebung bitten, doch die Folgen müssen wir meist selbst tragen. Gottes Gebote sind keine Gängelmassnahme sondern dienen uns zum Guten und bewahren uns vor dem Abgrund. Je enger unser Verhältnis zu Jesus ist, umso weniger hat der Versucher Macht über uns. Wer dem Letzteren den kleinen Finger überlässt, dem nimmt er gleich die ganze Hand. Also halten wir uns stets an unseren Erlöser und Retter und räumen dem Feind keine Angriffsfläche ein. Nutzen wir die Freiheit in Christus verantwortungsvoll.
Marina Fankhauser