
Kürzlich
war ich mit meinem Mann im Zürcher Zoo. Dort hat es eine grossartige
Einrichtung - einen künstlichen Regenwald - wo verschiedene Tiere aus
Madagaskar leben. Menschen und Tiere bewegen sich im gleichen Raum, wenn auch
nicht auf Tuchfühlung. Die Luftfeuchtigkeit beträgt ganze 80 %, für uns
menschliche Wesen nicht unbedingt ideal, umso mehr entsprechen Temperatur und
Luftfeuchtigkeit den Reptilien der Gattung Chamäleon. Ein Panther-Chamäleon
zeigte seine schönsten Farben als es langsam an einem Zweig herumkletterte. Ab
und zu liess es seine lange und klebrige Zunge hervorschnellen um ein Insekt zu
erbeuten. Im Gegensatz zu seinen Bewegungen geschah dies blitzschnell. Ein Auge
behielt den Fotografen im Sichtfeld, während das andere auf die Beute gerichtet
war. Zu den Eigenarten des Tieres gehört auch, dass es seine Farbe der Umgebung
und seinem Gemütszustand anpassen kann.
Für das Chamäleon mag diese Fähigkeit lebenswichtig sein, aber gibt es nicht auch Menschen, die sich ähnlich verhalten? Sie ändern ihre Ideologien nach dem Prinzip des Eigennutzes. Sie schwimmen mit dem Strom oder hängen ihre Fahne nach dem Wind. Angesagt ist die Richtung, die am meisten Vorteile birgt. Die Zielsetzung wird auch mit Leichtigkeit wieder geändert, wenn anderswo der Brotkorb niedriger hängt.
Hatte sich nicht auch Hudson Taylor, der berühmte Chinamissionar total den Chinesen angepasst? Er trug sogar die Landestracht und hatte das Haar zu einem Zopf geflochten. Er wollte nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden, sondern einer der ihren sein. Doch welch ein grundlegender Unterschied. Seine Triebfeder war die Liebe zu Jesus Christus und den Menschen, nicht der Profit. Seine Glaubenshaltung war eindeutig und zu jedem Opfer bereit.
Wie ist es dabei um uns bestellt? Bekennen wir da Farbe
oder suchen wir uns durch Farbwechsel unsichtbar zu machen? Stehen wir in der
Arbeit, in der Schule und in unserem Freundeskreis zu unserer Überzeugung?
Wagen wir es von Jesus Christus als unserem Herrn zu reden oder bleiben wir
lieber indifferent, so dass unsere ungläubigen Bekannten denken, wir hätten
die gleiche Gesinnung wie sie? Möglichst nicht auffallen und den Mund halten,
damit wir nicht dem Spott anheimfallen. Farbe bekennen bringt Nachteile, man
verspielt Akzeptanz, gehört nicht dazu, wird zum Aussenseiter degradiert und
unter Umständen auch gemobbt. Es braucht heute unzweifelhaft Mut, sich als
Christ zu "outen", denn das ist absolut nicht "cool" sondern
lächerlich in den Augen der Welt. Dennoch hat gerade dieses Geradestehen zu
Jesus eine herrliche Verheissung. Er verspricht uns nämlich:
"Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor
meinem himmlischen Vater."
Da gehört man dann dazu und zwar zu den Söhnen und
Töchtern Gottes, zu den Erben des himmlischen Reiches. Was zählt dagegen eine
irdische Clique oder ein Fussballverein?
Marina Fankhauser