
Als Babels König Nebukadnezar ganz Judäa samt Jerusalem erobert und die Einwohner entweder umgebracht oder in die Gefangenschaft geführt hatte, setzte er für die wenigen Zurückgebliebenen Gedalja als Statthalter ein. Dies war nun den Ammonitern ein Dorn im Auge und sie beschlossen, diesen aus dem Weg zu räumen. Gedalja erfuhr von den Mordabsichten an seiner Person, doch schenkte er den Warnungen keinen Glauben. Er sass sogar mit Jismael, dem gedungenen Mörder aus königlichem Stamm zu Tisch und büsste seine Vertrauensseligkeit mit dem Leben. Der Verrat und Mord war noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, als 80 Männer aus der Umgebung sich der Stadt näherten um im Hause des Herrn zu opfern. Jismael ging ihnen entgegen, vergoss scheinbar bittere Tränen und forderte sie auf, zu Gedalja in die Stadt zu kommen. Als die so Getäuschten in die Stadt kamen, erlitten sie das gleiche Schicksal wie der Statthalter und ihre Leichen wurden in die Zisterne geworfen. Tränen, das Zeichen der Trauer und des Leides wurden für das Gelingen einer Untat vergossen als Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Eine andere List, die ebenso mit falschen Gefühlen verbunden war, lieferte Jesus an die römische Justiz aus. Judas verriet mit einem Kuss seinen Meister und Weggefährten an die Soldaten, die gekommen waren, Jesus gefangen zu nehmen. Der Kuss, ein Zeichen der Liebe und des Vertrauens wurde schändlich missbraucht. Wie muss diese Umarmung und dieser verräterische Kuss Jesus im Tiefsten verletzt und geschmerzt haben.
Das sind zwei Beispiele aus der Bibel, aus dem alten und dem neuen Testament, wo der Mensch – die Krone der Schöpfung – die Gabe der Empfindungen pervertiert. Ist der Mensch heute besser geworden, wie die Humanisten dies erwarten? Hat er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gerettet? Hat er sich nach Darwins Theorie vervollkommnet, da nach dieser Auffassung nur die Besten und Tüchtigsten eine Überlebenschance haben und die Natur die Selektion trifft. Der Mensch hat die Erde gefüllt und damit seine Lebenstüchtigkeit bewiesen, daneben aber auch seine Umwelt geschädigt und teilweise zerstört. Er betreibt Raubbau an den Ressourcen und sägt selbst an dem Ast auf dem er sitzt. Er ist selbstherrlich und hartherzig geworden. Also keine Entwicklung im sogenannt humanen Sinn. Er ist heute noch genau so zu Täuschung und Manipulation bereit, wenn es ihm einen Vorteil einbringt. Wir haben keinen Grund uns über Judas zu erheben, steckt nicht in jedem von uns auch ein kleiner Verräter? Wir liefern Jesus nicht mehr ans Kreuz aus, denn das ist schon Geschichte, aber wir treten oft seine Liebe und Hingabe mit Füssen. Wir machen uns lustig darüber und meinen keine Erlösung nötig zu haben, keine stellvertretende Sühne für unsere Schuld. Wir meistern unser Leben selbst, sind eigene Herren und lassen uns von niemand in unsere Lebensführung reinreden. Hauptsache es stimmt für uns. Ob die anderen darunter zu leiden haben interessiert uns nicht. Ist es durch diese Einstellung besser und seelisch wärmer geworden in dieser Welt?
Wachen wir doch auf! Wir brauchen Jesus heute mehr denn je, wenn wir über die Runden kommen wollen. Unsere Dekadenz zwingt die Erde in den Untergang. Es gibt nur einen Weg dem zu entkommen. Umkehr zu den Lehren Jesu – zur Nächstenliebe. Aber unser Herz ist dazu gar nicht fähig, geschweige gar noch zur Feindesliebe. Wir können nur eines, Jesus mit aufrichtigem Herzen suchen, Ihm unser steinernes Herz zu Füssen legen, uns von Ihm reinigen, vergeben und ein neues Leben unter Seiner Herrschaft schenken lassen. Nicht die Evolution wird aus uns bessere Menschen machen an denen sich Gott erfreuen kann, sondern die grosse und umgestaltende Liebe Jesu Christi. Zu perfekten Christen werden wir hier auf dieser Erde zwar nie und auf unsere Gerechtigkeit können wir nicht zählen, aber auf diejenige unseres Erlösers, der alle unsere Schuld ausgemerzt und vergeben hat.
Marina Fankhauser