D ü r r e

    

Dieses Wort weckt in unserer Erinnerung die Bilder von rissigen Erdschollen, Tierkadavern, Sanddünen, ausgetrockneten Brunnen und ausgemergelten Menschen. Jedes Jahr treffen solche erschreckenden Nachrichten aus aller Welt bei uns ein. Sie bewegen uns zum Spenden für Afrika oder lassen uns auch kalt. An die Hungersnöte der anderen haben wir uns schon gewöhnt, der Hunger der Menschheit lässt sich nicht tilgen. Würde man brüderlicher Zusammenwohnen und nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht sein, hätten die Kriege und die Vertreibungen ein Ende. Die Felder könnten wieder bestellt werden und die meisten Menschen hätten genug zu essen. Aber das ist Wunschdenken in dieser gefallenen Welt, wo Machtstreben, Eigennutz und Rücksichtslosigkeit regiert.

 

Es gibt aber noch eine andere Art von Dürre, die den meisten von uns nicht fremd sein dürfte – die seelische Dürre. Wenn das Gemüt niedergedrückt und ausgetrocknet ist wie ein Bachlauf ohne Wasser, wenn alle Hoffnung erloschen ist, sei es auf Genesung, eine gesicherte finanzielle Zukunft oder auf eine neue Arbeitsstelle. Auch der Verlust eines lieben Menschen kann uns in die tiefste Verzweiflung stürzen. Wir existieren auf der Schattenseite des Lebens und müssen uns vorsehen, dass nicht eine bittere Wurzel in unserem Inneren aufwächst und alles vergiftet. Neid, Selbstmitleid und das Gefühl der Zurücksetzung ist die Frucht dieses Gewächses. Die anderen sehen wir dann auf der Sonnenseite, die haben alles, was das Herz begehrt. Vor einer Operation mit ungewissem Ausgang ging ich durch die Strassen und sah mir die Gesichter der Passanten an. Sie schienen alle zufrieden und geschäftig ihren Zielen nachzugehen. Denen fehlte nichts und ich musste mich mit einer ungewissen Zukunft auseinandersetzen. War das gerecht? Bis mir einfiel, dass die anderen an meinem Gesicht auch nicht ablesen konnten, was auf mich wartete, so wenig, wie ich in ihr Inneres schauen konnte. Vielleicht trugen sie auch schwerwiegende Sorgen mit sich herum.

 

Als David sich in der Wüste Juda vor Saul verbarg da schrieb er:

 

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

 

Er wendete sich an den Richtigen, der ihm beistehen, helfen und seine dürstende Seele mit lebendigem Wasser tränken konnte. Hier war kein Platz für Bitterkeit, sondern Sehnsucht nach Gottes Güte und seiner Gegenwart, auch mitten in allen Schwierigkeiten. Sein Blick war nach oben gewandt und kreiste nicht um die widrigen Umstände. Wie oft hilft ein von sich Wegblicken und auf den Schauen, dem keine menschliche Not fremd ist, der sie selbst erlitten hat um uns mit Gott zu versöhnen. Gottes Sohn kann auch dir helfen und dir neue Freude schenken, wenn du zu Ihm aufblickst und Ihm dein Leben anvertraust.

 

Marina Fankhauser