
In der Bibel lesen wir, dass Jesus während seines Wüstenaufenthaltes vom Teufel drei Mal versucht worden ist. Als ihn nach 40-tägigem Fasten hungerte, schlug Satan vor, dass er aus Steinen Brot machen sollte. Darauf zeigte er ihm die ganze Welt und versprach ihm die Macht darüber, wenn er vor ihm niederfallen und ihn anbeten würde. Der dritte Angriff beinhaltete ein Spiel mit dem Leben, indem sich Jesus von einer Klippe stürzen sollte. Der Teufel erhielt drei Mal eine Abfuhr, denn Jesus hielt sich an Gottes Wort, nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 4.
Wieso sollten diese Versuchungen auch für uns aktuell sein? Wir fasten doch nicht 40 Tage in der Wüste? Das Essen ist ein Grundbedürfnis des Menschen und ist lebenserhaltend. Bei Naturkatastrophen erleben wir es immer wieder, dass Menschen zu plündern anfangen und auch denjenigen die Nahrung wegnehmen, die genauso darauf angewiesen sind. Der Egoismus bricht sich Bahn. Hauptsache mir geht es gut und ich habe mehr als die anderen. Drogenabhängige Menschen in unserem Land stehlen, rauben und nehmen auch Körperverletzung in Kauf um an Geld und damit an ihren Stoff zu kommen, der für sie existenziell geworden ist. Da käme niemand in den Sinn zu sagen: „Der Mensch lebt nicht allein vom Brot (auch nicht von der Droge), sondern von einem jeden Wort Gottes.“
Die Versuchung der Macht ist aktueller denn je. Das Machtgerangel sieht man nicht nur bei den Politikern, die auch vor Wahlbetrug und Manipulation nicht zurückscheuen um an die Macht zu kommen oder sie sich zu erhalten. Parteipolitisch ist ebenfalls jedes Mittel Recht um eine ersehnte Position zu erlangen. Doch wie steht es mit dem Mann von der Strasse? Ist er vor dieser Versuchung gefeit? Weit gefehlt, auch hier wird mit den Ellbogen gearbeitet um die anderen zu überholen und mehr Einfluss zu gewinnen. Der Zweck heiligt auch hier jedes Mittel. Man verkauft ohne Bedenken dem Teufel seine Seele für die ersehnte Machtausübung.
Das
Spiel mit dem Leben? Auch hier wird die Versuchung immer weniger vertuscht und
wird sogar salonfähig. Dazu wird heute kein Duell angezettelt und auch nicht
russisches Roulett gespielt. Wir haben ganz andere Möglichkeiten, die sogar
unter dem Namen Sport segeln. Bungy jumping, wo man an einem elastischen Seil über
dem Abgrund wie ein Jo-jo auf und ab schwingt und hofft, dass das Seil nicht
reisst. Base jumping ist noch extremer. Man springt von einer hohen Fluh im
freien Fall und zieht erst nach einigen Sekunden den kleinen Fallschirm. Wenn
dieser nicht aufgeht hat man Pech gehabt, denn es gibt keinen Ersatz. Es sind
vor allem junge Leute, die dieses Risiko suchen, den Adrenalinstoss beim Spiel
mit dem Kostbarsten, was ihnen geschenkt worden ist – mit dem Leben. Etliche
davon verlieren es auch dabei. Wer denkt schon daran, dass Jesus des Teufels
Ansinnen mit den Worten abgewehrt hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott,
nicht versuchen.“ Es wäre sinnvoll in allen drei Fällen wie Jesus zu
handeln. Dafür müsste man sich aber wieder nach Gottes Weisungen ausrichten,
die das Zusammenleben mit allen Menschen erleichtern und das „Ich“ an die
zweite Stelle verschieben würden zu unserem eigenen Wohl.
Marina Fankhauser